Berliner morgenpost er sucht sie

Musik: Andrew Pekler, Licht: Jens Krüger, Dramaturgie: Ludwig Haugk.

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Bald fühle man sich in einem von der sozialistisch-realistischen Plakatkunst animierten Daumenkino.Auch im Bühnenbild und in den Videoprojektionen wird mit Malerrolle und Grafiktablett immer wieder übermalt, was vorher war: Gemälde, Abbildungen, Propagandafilme und -losungen. Als überbordendes Spiel mit Zeichen und Symbolen vom Staatslogo der Sowjetunion bis hin zur Freiwilligen Feuerwehr.Aus russischem Realismus wird Expressives und Abstraktes. Befreiung der Toten So auch im Stück: Aus dem Paar werden Genossen, aus Revolutionären werden Denunzianten, aus Freunden Feinde, aus Kämpfern für das Allgemeinwohl selbstverliebte Zigarilloraucher und gollumartige Schizophrene. Als Klangcollage, die zusätzliche Assoziationen weckt, vom Luftangriff bis zum Hubschraubereinsatz." Die Zumutungen der Geschichte würden comichaft überzeichnet, die Zumutungen der Gegenwart ausgeblendet."Innerhalb des Comicrahmens, der zuverlässig als Anti-Pathos-Mittel funktioniert, zeichnen Baumgarten und das Gorki-Ensemble höchst ambivalente Typen", findet Christine Wahl im Tagesspiegel (18.1.2014). werden nicht denunziert, sondern versuchen als Kippfiguren auf einer Lächerlichkeitsgrenze zu balancieren, die den Ernst des Sujets quasi zur Kenntlichkeit entstellt." Natürlich könne auch Baumgarten dem sozialistischen Aufbaudrama keine global heutige Perspektive abringen.

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Seit bald 20 Jahren mischt Schnaftl Ufftschik die Brass-Szene auf. Sie spielen Jazz, Pop, Folk, Weltmusik und passen doch in keine Schublade.Ihr Markenzeichen ist die begnadete Mischung all dieser Musikrichtungen.Der Vorwurf selbst bleibt unausgesprochen, als sei er irrelevant. Sie ist ebenso Eingeständnis wie Gegenangriff, und die Volte, die Müller dabei schlägt, sorgt für etliche Lacher im Saal: Auch die Geschichte der Bundesrepublik sei noch nicht geschrieben, sagt der Bühnen-Müller alias Thomas Wodianka und hebt dabei drohend den Zeigefinger.Das Neue kommt, aber das Alte bleibt Es ist dies eine von nur wenigen Anreicherungen, die Baumgarten seiner Inszenierung von Heiner Müllers "Zement" beimischt, und so, wie man in einem gelungenen Garten den Aushub des Teiches nicht als plumpen Haufen daneben liegen sieht, passen sie sich unauffällig, aber prägend in die Handlung ein.Deshalb komme man den Figuren kaum nahe und "fremdelt, wo sie ihr Leid ausbreiten." Auch die Art des Kasperletheaters, auf der jede Figur exemplarisch für eine ganze Klasse steht, verlieren sie aus Sicht der Kritikerin nie. Qualität gibt es nicht umsonst: Redaktion, Autor*innen und Technik müssen von uns bezahlt werden.

Die Inszenierung sei "ein Schaustück über Geschichte, die der Gegenwart schwer im Magen liegt", schreibt Dirk Pilz in der Berliner Zeitung (18.1.2015). Sie sagen: 'Leben heißt vergessen, was der Gedanke nicht aushält.' Ist das Verzweiflung? Es ist der Doppelpunkt hinter eine anstrengende, fordernde Inszenierung, die wie wenige sonst keine Rücksichten nimmt auf die Schönschreiber des Gestern und Heute." Verglichen mit Sebastian Baumgartens anderen Arbeiten ist "Zement" eine Bearbeitung von erstaunlicher, leicht bösartiger Stringenz, so Peter Laudenbach in der Süddeutschen Zeitung (22.1.2015). Filmeinspielungen zitieren den Pop der Sowjetpropaganda. Und dass man dieser Revolutionstravestie mit großem Vergnügen folge, liege auch an der Spielfreude des Gorki-Ensembles. Mit einem finanziellen Beitrag helfen Sie Unabhängigkeit und Zukunft von zu sichern.In diese Geschichte aus dem Jahr 1921, in dem der Bürgerkriegskämpfer Tschumalow aus dem Krieg heimkehrt und – statt wie ein Held gefeiert zu werden – Stillstand und Bürokratie und Gewalt vorfindet.Die Zementfabrik verfällt, sein Kind ist im Heim und seine Dascha nicht mehr Ehefrau, sondern Parteisoldatin.An dieser Schnittstelle erforscht Karl-Heinz Helmschrot die Spätfolgen der Pisastudie, schmeißt sich mit viel Spielfreude in die unterschiedlichsten Charaktere und mutiert vom Pseudogogen zum Entertainer.Er ist nicht auf schnelle Lacher aus, dafür aber auf umso lautere.

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